Freitag, 12. Juni 2015

Frau Texel

Diese Woche wurde ich unverhofft in ein Abenteuer gestürzt. Ich durfte den Lernbauernhof Ingenhammshof im Landschaftspark Duisburg-Nord besuchen. Dieser Artikel ist den Schülerinnen und Schülern gewidmet, mit denen ich gewaschene Rohwolle mit Handkarden bearbeitet, mit selbstgebauten Handspindeln und meinem Spinnrad gesponnen habe. Wir hätten noch viel mehr Zeit zusammen benötigt, um alle Arbeitsschritte vom Schaf bis zur Wolle gemeinsam durchzuführen. Daher hier meine Bildergeschichte extra für Euch.
Angefangen hat alles mit Frau Texel im Vordergrund links.

Es war so warm, da war sie froh geschoren zu werden. Sie hat ganz toll stillgehalten.


Das war das Ergebnis. Wir sehen die Seite des Fells, die näher an ihrer Haut war.

Ich durfte mir davon die schönsten Stücke aus der Mitte des Vlieses mitnehmen. Zuhause habe ich die ganz kurzen Stücke, die zu sehr angefilzten Teile und soviel Grünzeug wie möglich entfernt. Dazu habe ich jeweils eine Handvoll über einem Kuchenrost ausgeschüttelt. Nun den Rest in den größten Wäschesack, den ich hatte, gestopft und im Garten mit Hilfe des Gartenschlauches mehrfach eingeweicht, bis das Badewasser fast durchsichtig war.

Dann habe ich den Wäschesack mit flüsigem Wollwaschmittel in der Waschmaschine im Wollhandwaschprogramm bei 20 Grad mit 1000 Schleudertouren bearbeitet. So sieht es noch feucht und endlich befreit aus:

Rechts mit der Hand im feuchten Zustand gezupft. Dabei fällt noch mal Grünzeug raus.

Alles gezupft und zum Trocknen auf dem Dachboden ausgelegt.

Anstelle der Euch bekannten Handkarden habe ich die trockene Wolle nochmals mit der Hand gezupft und mit einer Kardiermaschine kardiert, also "gekämmt". Auf der kleinen Walze bleiben die ganz kurzen Fasern hängen. Die wandern dann in den Müllsack. Die Kurbel an der großen Walze muss man langsam drehen und immer nur eine ganz dünne Schicht der kleinen Walze zuführen. Das sieht dann so aus:

An der Metallleiste entlang wird das Batt (so heißt die Wolle auf der großen Walze jetzt) mit einer Metallnadel geöffnet.

Nach dem ersten Durchgang sieht das Batt so aus:

Dann nochmal alles in dünnen Lagen in die Kardiermaschine geben. Es bleiben wiederum kurze Fasern an der kleinen Walze haften, die aussortiert werden. So sieht das Batt nach dem zweiten Durchgang aus. Die Wolle ist immer noch fettig und riecht nach Schaf, ist aber sauber.

Das Batt habe ich mit meinem Spinnrad zu einem Singlegarn versponnen im Uhrzeigersinn.

Und als Luftmaschenkette wie beim Häkeln nur mit den Fingern gegen den Uhrzeigersinn als Dreifachgarn verzwirnt. Das muss ich aber nochmal Üben, Ihr seht, es ist noch nicht gleichmäßig.

Den Zwirn habe ich auf einer Scherenhaspel aufgewickelt und an acht Stellen mit einer Acht aus Wolle abgebunden.

So sieht der Strang dann aus, wenn man ihn von der Haspel abnimmt und zusammenlegt.

Nun geht er noch einmal ins "Entspannungsbad" mit Wollwaschmittel im Waschbecken. Das macht man, damit sich die Wollfasern besser an ihre durch das Spinnen und Zwirnen neue Form gewöhnen. Täte man das nicht, strickt zum Beispiel einen Pulli und wäscht ihn dann, würde der nach dem Waschen eine andere Form annehmen und schief sein. Bei diesem Waschen und dem anschließenden Ausschütteln fallen nochmals Grashalme raus. So wird auch das restliche Wollfett entfernt.

Nach dem Trocknen kann man damit Stricken, Häkeln oder Weben.

Den Strang schenke ich Euch als Erinnerung an einen schönen Tag für Eure Projektkiste. Danke, dass Ihr mir so aufmerksam zugehört und mich so lecker bekocht habt.

Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht und garantiert ein unvergessliches Erlebniss für die Kinder einen Tag mit Kopf, Hand und Herz zu lernen!
    Mach's gut, Birgit

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  2. spannend, wir waren diese Woche Montag mit unseren Kids im Ingenhammshof. Da wären wir uns ja fast über den Weg gelaufen.

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  3. Das war echt eine superspontane Aktion... Vielen Dank! Und manchmal hat ein Bandscheibenvorfall auch sein Gutes :-)
    LG Sabine

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  4. echt tolle Wolle und ich möchte nicht wissen, wie den Eltern am Abend die Ohren geklingelt haben, soviel hatten die Kinder zu erzählen.....lach

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